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Warum ein Schwammgarten zeitgemäß, praktisch und klimawandel-tauglich ist, warum jetzt der beste Zeitpunkt ist für einen Zugriff gegen Giersch und warum das Thema Ameisen heute nur kurz dran ist. |
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❤️Ameisen als Gartenhelfer
Der Juni ist schon wieder fast zur Hälfte um und ich habe ja noch ein Monats-Thema "erfunden": "Janz ohne Gießen"-Juni, um das es in dieser Ausgabe in erster Linie gehen wird. Damit es nicht zu voll wird, müssen die Ameisen noch ein, zwei Ausgaben warten. Ihr könnt aber schon einiges im passenden Blog-Beitrag lesen. Oder euch das EBooklet gönnen. Das ist auch schon fertig.
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JUNI: Janz ohne Gießen – oder zumindest fast
Nie wieder Gießen. Oder wie ich analog zum Mähfreien Mai sage: der "Janz-ohne-Gießen-Juni". Schlechtes Wortespiel, aber prima Sache.
Leider ist in den letzten Jahren oft genau das Gegenteil der Fall. Monatelang regnet es zu wenig, das Gießen wird teuer und manchmal ist das Wasser sogar rationiert. Dann wieder kommen viel zu viele Niederschläge auf einmal. Unwetter lassen Sturzbäche über die ausgedörrte Erde rauschen und im Winter verwandelt Dauerregen den Garten in graubraunen Matsch.
Wäre es nicht schön, unabhängiger vom wankelmütigen Wetter zu sein und sich über Blüten und deren Besucher zu freuen, egal, ob der Boden ausgetrocknet oder durchfeuchtet ist?
Wie das gehen kann? Lest ihr jetzt.
Der Trick ist nicht, besonders fleißig zu gießen und viele Regentonnen aufzustellen. Der Trick ist, möglichst wenig gießen zu müssen.
Dazu habe ich zwei Vorschläge:
1) Den Garten als Schwammgarten anlegen; geht auch auf dem Balkon in kleinerer Ausführung.
2) Den Garten mit möglichst vielen möglichst selbstständigen Pflanzen bevölkern. |
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Was genau ist ein Schwammgarten?
In den letzten Jahren habt ihr vielleicht schon von Schwammstädten gehört. Die Idee dahinter: Regenwasser soll nicht möglichst schnell in die Kanalisation verschwinden, sondern dort bleiben, wo es gefallen ist. Es soll versickern, gespeichert werden und die Umgebung kühlen. Genau das funktioniert auch im Garten. Dann sprechen wir vom Schwammgarten.
Ein Schwammgarten versucht, möglichst jeden Regentropfen im Garten zu behalten. Dabei helfen die verschiedenen Stockwerke des Gartens zusammen. Bäume, Sträucher, Stauden, Kräuter und die Wurzeln im Boden bremsen den Regen, halten Feuchtigkeit fest und schützen den Boden vor Sonne und Wind. Statt über nackte Erde davonzurauschen, kann das Wasser langsam versickern und gespeichert werden. Der Garten funktioniert dann tatsächlich ein bisschen wie ein Schwamm: Er nimmt Wasser auf, hält es fest und gibt es nach und nach wieder ab.
Ein Schwammgarten hat möglichst wenig nackte Erde und raspelkurzen Bewuchs oder Pflastersteine. Sondern Pflanzen. In jeder Dimension möglichst und in vielen verschiedenen Stockwerken. Pflanzen wirken wie ein Schwamm. Sie bremsen den Regen, beschatten den Boden und helfen dabei, dass Wasser langsam versickert statt abzufließen. Sträucher und Bäume wirken dabei fast wie ein Regenschirm. Erst halten sie den Regen in ihrem Blattwerk fest, später tropft das Wasser langsam nach.
Wie wird ein Garten zum Schwammgarten? So zum Beispiel:
???? Weniger nackte Erde. Pflanzen, Mulch, Laub oder Bodendecker schützen den Boden vor Sonne und Austrocknung.
???? Das Gras etwas länger wachsen lassen. Ein kurz rasierter Rasen trocknet schneller aus als eine etwas höhere Vegetation.
???? Mehr Stockwerke im Garten schaffen. Bäume, Sträucher, Stauden und Kräuter bremsen Regen und Wind und helfen dabei, Wasser im Garten zu halten.
???? Mehr Sträucher pflanzen. Sie wirken wie Schirme und kleine Wasserspeicher zugleich. Das Regenwasser tropft verzögert zu Boden und kann besser versickern.
???? Laub liegen lassen. Es schützt die Erde, füttert das Bodenleben und verbessert langfristig die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens.
???? Dachbegrünungen auf Garagen, Schuppen oder Mülltonnenhäuschen schaffen. Auch sie halten Wasser zurück und kühlen die Umgebung.
???? Totholz, Wurzelstöcke und dichte Bepflanzungen fördern. Sie helfen dabei, Feuchtigkeit im Garten zu halten.
????Moos fördern und begrüßen in jeder Form. Egal ob im Rasen, auf Mauern oder Sträucher. Moos ist wie ein lebendiger Schwamm. |
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Weiter gehts:
????Möglichkeiten schaffen, dass der Garten selbst das Regenwasser sammeln kann, zum Beispiel Mulden, Sumpfecken oder mein Lieblingsprojekt Regenspeicherbeet.
Das habe ich hier schon mal ausführlich vorgestellt und hier könnt ihr weiter lesen zu diesem Thema, wenn ihr es noch nicht kennt. Oder: hier ladet euch das EBooklet zum Thema herunter, mit Bau-Anleitungen nicht nur fürs Regenspeicherbeet, auch für kleinere Projekte wie Miniteich, Jauchepfütze oder Sumpfecke, außerdem mit vielen Tipps für Pflanzen, die solche wechselfeuchten Stellen lieben. |
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Kommen dann nicht viele Mücken?"
Ja – und nein. Mückenlarven können sich in wenigen Tagen bis Wochen vom Ei bis zum Eierlegen entwickeln, und das auch schon in einer Pfütze. Das stimmt. Die meisten Larven enden aber als Futter für Vogelküken, Libellen, Fledermäuse und andere Mückenfresser, bevor sie zum fertigen Insekt geworden sind. Je naturnäher ein Garten, desto mehr dieser Helfer beherbergt er. Mücken wird es trotzdem immer geben (und die Tatsache, dass sie Krankheiten übertragen können, auch). Alteingesessene Arten genauso wie neue, die sich im wärmeren Klima bei uns wohlfühlen. Mücken ausrotten zu wollen klappt ohnehin nicht. Sinnvoller sind Fliegengitter, lange Kleidung und andere Schutzmaßnahmen für uns Menschen – und ein Garten, in dem möglichst viele natürliche Mückenfresser leben. |
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Noch ein ganz wichtiger Punkt:
???? Versiegelte Flächen verkleinern, begrünen, entsiegeln. Stichwort "Abpflastern" oder "Fugengarten anlegen".
Warum? Steine haben eine hohe Wärmespeicherfähigkeit. Sie erwärmen sich recht langsam, speichern aber die Gluthitze des Tages und strahlen diese dann ab, wenn die Sonne längst untergegangen ist. Sonnenwarme Steine am Abend sind etwas Feines, aber nicht, wenn tagsüber 40 Grad Celsius waren und man nachts eigentlich lieber kühle Luft ins Schlafzimmer lassen würde. Und: Wenn es regnet, prasselt das nicht nicht auf kahle, undurchlässige Steine, rauscht darüberhinweg und schlimmstenfalls ins Kellerfenster. Sondern wird von den Pflanzen aufgefangen, abgefangen und nach und nach in die Erde geleitet.
Grundsätzlich läuft es darauf hinaus, Steine herauszunehmen oder Löcher in den Beton zu hacken, Erde einzufüllen und Stauden einzupflanzen. Wenn die Steinfläche bleiben soll, aus welchen Gründen auch immer, könnt ihr ein aufgesetztes Hochbeet anlegen oder die Pflasterfläche mit Topfpflanzen bestücken. So bekommt die Steinfläche immerhin eine grüne Perücke.
Ganz ausführlich nachlesen könnt ihr das in meinem Buch "Mein Garten - mehr Arten": Steine zum Blühen bringen ist ein Projekt von insgesamt 12, mit denen ihr mit kleinen Veränderungen viel bewirken könnt, ohne dass der Garten komplett auf links gedreht werden muss. |
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Tipp: Fugengarten anlegen mit dem Blumentopf
Es ist nicht immer einfach, favorisierten Pflanzen den Standort schmackhaft zu machen, auf dem man sie gerne haben möchte. Besonders, wenn es sich um trockene Steinflächen handelt oder Problemstandorte, auf denen »nichts« wächst. Ein Kniff ist die Blumentopf-Methode. Dafür werden ein, zwei, drei Starterpflanzen in Töpfen dort hingestellt, wo die Art eigentlich wachsen soll: zum Beispiel Akelei oder Glockenblume auf die gepflasterte Fläche vor der Haustür. Dort dürfen sie blühen, fruchten und sich versamen. Lasst die Töpfe vielleicht auch mal über die Fläche wandern, sodass überall etwas hinkommt. Einige Samen werden sicherlich ein passendes Plätzchen finden und keimen, wachsen, blühen und fruchten. Auf einmal wachsen auf der gepflasterten Einfahrt vor dem Haus Akelei und Glockenblume, zukünftig ganz selbstständig und wie von allein. |
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Und was sind selbständige Pflanzen?
Selbständige Pflanzen ist das richtige Stichwort zum Thema "Janz ohne Gießen"-Juni.
Selbständige Pflanzen sind Arten, die sich weitgehend selbst um ihren Platz im Garten kümmern. Sie kommen mit wechselndem Wetter zurecht, versamen sich, treiben aus Wurzeln oder Zwiebeln wieder aus und warten ungünstige Zeiten einfach ab. Mal ist es heiß, mal kalt, mal trocken, mal nass. Nicht immer kommen alle Arten gleich gut damit klar. Aber es gibt fast immer einige, die mit dem aktuellen Wetter besonders gut zurechtkommen. Deshalb sieht ein solcher Garten nie jedes Jahr gleich aus. Mal stehen die einen Arten im Vordergrund, mal die anderen. Das Ergebnis bleibt trotzdem dasselbe: Es wächst, grünt, blüht, fruchtet und bietet Nahrung und Lebensraum für viele Tiere.
Hier könnt ihr noch mehr darüber lesen: Lass das mal die Blumen machen.
Ganz ausführlich im passenden Buch "Selbst ist die Pflanze"; und ergänzend oder für alle die nicht soviel lesen, sondern gleich loslegen wollen: die lange Liste der selbständigen Pflanzen plus kurz die ganz wichtigen Infos als EBooklet zum Sofort-Download. |
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Manche Pflanzen sind sogar beides in diesem Zusammenhang: Selbständig und Schwammgarten-Bestandteil. Meine Favoritin ist die Wilde Karde: selbständig ohne aufdringlich zu sein, auch verblüht noch schön, Insektenpflanze, Vogelfutterpflanze - und in ihren Blattachseln sammelt sie Wasser, das nach und nach verdunsten und vorher Insekten und Vögeln als Tränke dienen kann. |
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Und auf dem Balkon?
Auch dort funktioniert das Prinzip "Schwammgarten" erstaunlich gut. Zum Beispiel so:
???? Größere statt winzige Töpfe verwenden. Mehr Erde speichert mehr Wasser.
???? Töpfe dicht bepflanzen und nicht sortenrein, sondern gemischt und in Stockwerken: Sträucher und Gehölze, dazu Blumen und Kräuter, außerdem Hängendes und Rankendes. Sodass die Erde möglichst nicht nackt ist und gut beschattet wird.
???? Regenwasser sammeln.
???? Kästen und Kübel so anordnen, dass sie sich gegenseitig beschatten.
???? Mehrjährige Pflanzen und selbständige Arten bevorzugen, die auch einmal eine trockene Woche überstehen.
???? Vertikale Begrünungen oder kleine Rankpflanzen schaffen zusätzliche grüne Stockwerke und verbessern das Kleinklima. |
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❤️Wildnistipp der Woche: Lasst den Giersch blühen
Lasst Giersch Blühen. Nicht unbedingt versamen. Aber wenn er geblüht hat, dann wird er deutlich zahmer, weil er sein Lebensziel erreicht hat. Und dann ist der beste Zeitpunkt, ihn ein bisschen einzugrenzen. Vorher, in der Wachstumsphase, signalisiert ihm jeder Zugriff , dass er sich noch mehr anstrengen muss, Wurzeln aufbauen, neuen Blätter nachschieben. Seinen Job zu machen: möglichst schnell eine geschlossene Pflanzendecke zu bilden, ein Blätterdach fürs Bodenleben, Grünfutter für Pflanzenfresser, Blüten, Pollen, Lebensraum und Nahrung. Jetzt, während oder nach der Blüte, hat er das alles geschafft. Der Giersch kann sich entspannen. Wenn ihr ihn jetzt jätet, verhält sich Giersch weitgehend ruhig; auch wenn er sicherlich nicht ganz verschwindet. Aber so schlimm ist das gar nicht. Im Gegenteil: Giersch ist gut für die Artenvielfalt. Wie viele andere Doldenblütler wimmelt auch Giersch im Sommer nur so von Insekten. Auch Schnecken mögen Giersch als perfektes Ablenkfutter. Regenwürmer und andere Bodenlebewesen fühlen sich super wohl im dichten Wurzelwerk und werden von seinem Blätterdach gut beschirmt. Und Spitzmäuse und Spinnen nutzen den Gierschwald als Jagdrevier. Und auch für uns Menschen gilt: es gibt fast nichts, was sich mit Giersch nicht machen ließe: leckere Gremolata, Flüssigdünger, Hausmittel gegen Eichenspinner-Quaddeln oder eine schnelle Aftersun-Lotion nach einem heißen Gartentag.
Einige gute Einsatzmöglichkeiten von Giersch habe ich euch in diesem kleinen PDF zusammengestellt: Alles Gute vom Giersch. Umsonst, zum Ausdrucken, Ausprobieren und Verschenken, an andere Gierschgenervte. |
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????Und sonst so?
Haben alle gefundenen Gartenschläfer-Bausätze ein neues Zuhause gefunden und sind auf dem Postweg unterwegs dorthin. Das war eine sehr schöne Aktion und ich bedanke mich bei allen, die mitgemacht haben und mir viele schöne Geschichten geschenkt haben.
Weil manchmal Fragen kamen: Bausätze gibt es nicht mehr und nie wieder im Shop. Fix und fertige Gartenschläferhäuschen sind im Shop noch einige da, aber wenn die ausverkauft sind, gibt es sie auch erstmal nicht mehr. Wenn ihr also noch eins oder mehrere wollt: Dann JETZT. |
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???? Ganz zum Schluss
... werde ich mich jetzt weiter den Ameisen widmen; und dem Thema, dass Bäume und Hecken ihren "Busch" behalten sollten, statt dass wir sie nackig und kahl rasieren. Und genieße den Sommer ohne Gießen. Ihr hoffentlich auch.
Sigrid |
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