Warum es nicht immer gut ist, ins Haus geflatterte Insekten oder andere Besucher einfach so wieder rauszuwerfen. Und warum ihr sie auch nicht „in den Wald“ bringen solltet. Und: warum auch auf dem Balkon Totholzhaufen sein sollten. |
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Wo bin ich denn hier gelandet?
Ein Nachtfalter morgens im Badezimmer will natürlich nicht wirklich bei euch einziehen. Er will viel lieber einfach wieder nach draußen. Aber nicht einfach zum Fenster hinaus. Oder irgendwohin.
Viele Tiere, die sich im Sommer oder auch im Herbst oder im Winter in unsere Wohnungen verirren, brauchen draußen erst einmal einen ruhigen, geschützten Platz. Einen Ort, an dem sie sich ausruhen können, bis sie selbst entscheiden, wann sie weiterziehen.
Ein Nachtfalter, der morgens aus dem Schlafzimmerfenster auf die knallsonnige Hauswand gesetzt wird, sitzt dort oft wie auf dem Präsentierteller. Oder weiß nicht wo hin und vertrocknet in der Sonne.
Dasselbe gilt für viele andere Besucher: Ohrkneifer, die mit der Wäsche ins Haus gekommen sind. Marienkäfer oder Schmetterlinge, die sich später im Jahr einen warmen Platz zum Überwintern suchen. Oder sogar Molche, die über feuchte Keller oder Waschkeller in Häuser geraten. All diese Tiere einfach vor die Haustür zu setzen, hilft oft nur auf den ersten Blick.
Oder alle Spinnen, mit denen ihr lieber nicht zusammenwohnen wollt. (Mehr zu Spinnen und wie ihr euch – vorsichtig – mit ihnen anfreunden könnt, lest ihr in diesem Blog-Beitrag: Spinnen sind Freundinnen) |
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Was dann? Wohin dann?
Viel besser ist ein geschützter Platz möglichst nah am Fundort. Eine Wildnis-Ecke. Irgendwo eine Stelle mit Brennnesseln. Zwischen Brombeeren. Unter einer Hecke. In einer wilden Staudenecke. In einem kleinen Totholz- oder Laubhaufen.
Genau das ist ein Grund, warum wir alle, rund ums Haus einen Totholz-Haufen oder zumindest Häufchen, eine Wildnis-Ecke haben sollten. Schatten, Feuchtigkeit und Schutz und können selbst entscheiden, wann sie wieder durchstarten werden.
Vorteil: sorgen ganz nebenbei oft sogar dafür, dass sich viele Tiere gar nicht erst in die Wohnung verirren. Wer draußen schon den perfekten Unterschlupf findet, muss drinnen nicht danach suchen. |
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Was tun, wenn ihr gar keinen Garten habt? Viele denken jetzt wahrscheinlich: "Schön und gut. Aber ich wohne im Mehrfamilienhaus."
Dafür gibt’s jetzt kleine Tipps für Balkon, Terrasse und Hinterhof: |
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Palettensofa-Auswilderungsstation: Der Platz unter einem Palettensofa oder einer Sitzbank wird oft völlig übersehen – dabei lässt sich dort mit wenig Aufwand eine kleine Wildnisecke anlegen. Darunter liegen ein paar Holzscheite, Rindenstücke, Steine und mit der Zeit sammelt sich außerdem alles, was durch die Ritzen fällt oder der Wind hineinweht. Oder ich „unters Sofa fege“ – Kiefernadeln, Blätter, Zapfen. Ich schaue dort nicht regelmäßig nach, setze aber immer mal jemanden dort ab.
Die geheimnisvolle Weinkiste: die einfach eine umgedrehte Weinkiste ist, die von außen wie ein rustikales Beistelltischchen aussieht. Oder wie eine Blumenbank. Durch die Lücken in den Latten kommen kleine Tiere rein und raus – von außen sieht man aber vom wilden Innenleben nichts.
Ein leerer Nistkasten: Vielleicht habt ihr einen alten Vogelnistkasten übrig oder ein anderes Häuschen, das an dieser Stelle ohnehin nicht von Vögeln, Igeln oder Bilchen angenommen werden würde. An einer geschützten ruhigen Stelle platziert und locker gefüllt mit etwas Reisig, trockenem Laub und ein paar kleinen Zweigen, sodass dazwischen noch Hohlräume bleiben. Genau diese geschützten Zwischenräume sind für viele kleine Tiere wertvoll. Spinnen, Ohrkneifer, Käfer und andere Krabbeltiere finden hier einen sicheren Rückzugsort, und auch als kleine Auswilderungsstation eignet sich so ein umfunktionierter Nistkasten hervorragend.
Käferkeller im Blumentopf: Viele Käfer fühlen sich durchaus in Blumentöpfen wohl, vielleicht habt ihr beim Umpflanzen auch schon mal einen Engerling gefunden? Das sind meistens Rosenkäfer, die holzhaltige Komposterde mögen. Aber auch andere Käfer werden diese Variante lieben, und als Auswilderungsstation für gestrandete Insekten ist sie perfekt. Dafür braucht ihr pro Topf einen deutlich größeren Übertopf, wichtig ist, dass er ein Abzugsloch hat, damit sich kein Wasser staut. In den Topf kommt eine ordentliche Schicht Holzhäcksel. Darauf kommt der nach Belieben bepflanzte Topf – vielleicht mit einem kleinen Strauch und schön viel wildem Unterwuchs, aber es kann auch ruhig optisch nicht so wild werden, je nachdem, wo der Topf steht und wer sich beschweren könnte. Den Zwischenraum zwischen beiden Töpfen streut ihr ebenfalls mit Mulch aus. So bekommen die Kübelpflanzen auch gleich noch eine Isolation gegen Winterkälte und Trockenheit.
Mini-Kompost: Es ist kein richtiger Kompost, auf dem ihr eure Essensreste loswerdet – dafür sollte man auf dem Balkon besser eine Wurmkiste oder Bokashi-Eimer verwenden. Aber ein Komposthaufen ist auch ein toller Zwischen-Lebensraum, weil die Kompostierung schöne Wärme erzeugt.
(Mehr über Kompost lest ihr in diesem Blog-Beitrag: Kompost ist Lebensraum)
So geht’s im Kleinen: Nehmt einen großen Topf oder auch eine Holzkiste und füllt es locker mit etwas Erde, trockenem Laub, verblühten Pflanzenresten, kleinen Zweigen und ein paar Rindenstücken füllt. Was so da ist. Wie gesagt, gekochte Essensreste oder andere Küchenabfälle gehören hier nicht hinein – nur Gartenabfälle. Da fällt ja auch auf dem Balkon das ein oder andere an. So entsteht nach und nach ein kleines Mini-Biotop, in das Springschwänze, Asseln, Tausendfüßer, Kompostwürmer, Spinnen und Laufkäfer einziehen. Hier können sich aber auch Nachtfalter, Marienkäfer, Ohrkneifer oder andere kleine Gäste nach dem Aussetzen erst einmal in Ruhe verstecken und orientieren, statt sofort wieder loszufliegen oder zur nächsten Hauswand zu krabbeln. Ein schattiger, etwas geschützter Platz ist ideal, damit der Haufen nicht völlig austrocknet.
Geheime Ecke an der Hecke: Das ist oft sogar der einfachste Ort für eine kleine Wildnis-Ecke: am Mülltonnenplatz, an der Kellertreppe oder im Hinterhof. Dort gibt es häufig schattige Bereiche, die ohnehin kaum genutzt werden. Oder sich jemand genauer anschaut. Wächst dort vielleicht eine kleine Hecke oder ein Strauch, könnt ihr einfach ein paar Äste am Fuß ablegen, etwas Laub darunter schieben und die Mülltonnen anschließend wieder davorstellen. Oder ihr stellt ein paar bepflanzte Kübel auf kleine Steine oder Füße. Unter den Töpfen bleibt genug Platz für Laub, Rindenstücke und kleine Zweige – und damit für viele kleine Tiere. Von außen wirkt alles ordentlich, doch darunter entsteht ein geschützter Rückzugsort. |
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Und wenn ihr einen (eigenen) Garten habt, stehen euch natürlich alle Möglichkeiten offen. Reisighaufen, Totholz, Laub, Steine, Sandflächen, alte Stauden oder Gestrüpp – je abwechslungsreicher, desto besser.
Genau dafür habe ich übrigens mein Buch „Haufenweise Lebensräume“ geschrieben. Darin findet ihr viele Ideen, vom winzigen Totholzstapel bis zum großen Wildnisbereich.
Alle meine Bücher gibts überall wo es Bücher gibt, und direkt bei mir in meinem kleinen Online-Shop, dann auf Wunsch auch gerne mit Widmung. |
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Kleine Rettungsanleitung: So kommen tierische Besucher sicher wieder nach draußen
Die meisten kleinen Tiere lassen sich ganz unkompliziert retten. Wartet einfach, bis sie sich ruhig hingesetzt haben. Dann stülpt ihr ein Glas darüber und schiebt vorsichtig ein Stück Pappe darunter. Wer mag, setzt noch einen Deckel auf das Glas. Anschließend tragt ihr euren kleinen Gast nach draußen und setzt ihn an einen schattigen, geschützten Platz – am besten in eure Wildnis-Ecke oder Auswilderungsstation. Dort können sich Wanzen, Nachtfalter, Marienkäfer, Rosenkäfer, Spinnen, Maikäfer und viele andere Tiere erst einmal orientieren und in Ruhe verstecken.
Bei Hummeln, Bienen, Wespen oder Hornissen müsst ihr sie oft gar nicht einfangen – und meistens klappt das wegen ihrer Hektik ohnehin nicht besonders gut. Öffnet stattdessen ein Fenster oder die Balkontür weit, dunkelt den restlichen Raum möglichst ab und lasst nur den Ausgang hell. Fast immer finden die Tiere dann ganz von allein wieder ins Freie.
Hat sich ein Vogel ins Haus verirrt, funktioniert dieselbe Methode oft ebenfalls. Öffnet Fenster oder Tür weit, dunkelt den Raum ab und gebt dem Tier etwas Ruhe. Falls nötig, könnt ihr den Vogel auch vorsichtig mit beiden Händen greifen oder ein leichtes Tuch über ihn werfen. Wirkt er apathisch oder zeigt offensichtliche Verletzungen, wendet euch bitte an eine Wildvogelhilfe. |
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???? Wildnis-Tipp der Woche: Bitte nicht einfach im Wald aussetzen.
Das denken wir oft ganz automatisch. Schließlich heißt es doch schon in Märchen, Kinderbüchern und Filmen immer: „Die Tiere des Waldes.“ Fast so, als wäre der Wald nicht nur unser Sehnsuchtsort, sondern auch der aller Tiere. Aber das stimmt so gar nicht.
Viele Wildtiere leben gar nicht gern im Wald, sondern in Parks, mitten in unseren Dörfern und Städten. Und viele unserer Gärten sind für sie sogar attraktiver als der Wald – zumal der heute oft eher Forst als Urwald ist. Zum Beispiel: Der Marder auf dem Dachboden ist fast immer ein Steinmarder. Sein scheuer Verwandter, der Baummarder, lebt überwiegend im Wald – den bekommt man im Garten nur selten zu Gesicht. Oder Vögel: Kohl- und Blaumeisen gehören zu unseren häufigsten Gartenvögeln, während Tannen- und Haubenmeisen vor allem Nadelwälder mögen.
Bei den Schmetterlingen sieht es ähnlich aus. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Zitronenfalter oder Schwalbenschwanz begegnen euch häufig im Garten. Das Waldbrettspiel oder der Kaisermantel fühlen sich dagegen eher im Wald oder an Waldrändern wohl – und flattern deshalb auch deutlich seltener nachts in eure Wohnung. Genauso ist es bei vielen Grashüpfern, Käfern oder Hummeln. Für viele gestrandete Besuchstiere ist der Wald also nicht der richtige Ort.
Sondern eben möglichst nah am Fundort. Viele Tiere haben ja auch ein richtiges Zuhause. Eine Hummel kehrt immer wieder in denselben Staat zurück und fliegt von dort zu ihren Blüten. Eine Spitzmaus kennt jedes Versteck in ihrem kleinen Revier, genauso Vögel, Schnecken, Schmetterlinge. |
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Zertifizierte Wildnis auch auf dem Balkon oder im Hinterhof:
Vielleicht habt ihr beim Lesen gemerkt, für mehr Artenvielfalt braucht es keinen riesigen Garten. Oft reichen schon ein paar ungenutzte Quadratmeter.
Aber solche kleinen Wildnisinseln sind wichtig, weil sie „Trittsteinbiotope“ schaffen. Je mehr es davon gibt, desto größer werden die zusammenhängenden Flächen, die Insekten und andere Tiere nutzen können.
Deshalb gibt es meine Wildnis-Zertifizierung auch nicht nur für die großen, perfekten Wildnis-Gärten sondern auch Balkone, Innenhöfe und Reihenhäuser oder Mehrfamilien-Mietsgärten. Entscheidend ist nicht die Größe, sondern dass ihr Lebensräume schafft und der Wildnis wieder ein Stück Platz zurückgebt.
Wenn ihr neugierig seid, schaut euch gerne zuerst die Info-Seite zur Wildnis-Zertifizierung an. Dort findet ihr alle Voraussetzungen, viele Beispiele und Antworten auf die häufigsten Fragen. |
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Und wenn ihr schon entschieden seid, könnt ihr euren Garten, Balkon oder eure Terrasse direkt zur Zertifizierung anmelden. |
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???? Bis zum nächsten Mal
... und da bleiben wir gleich bei den kleinen Flächen. Da geht nämlich noch mehr Wildnis. Auf der Pflasterfläche vor der Haustür, der Schotterstreifen neben dem Stellplatz, die frisch gebaute Trockenmauer oder der Balkon, auf dem jedes Frühjahr neue Pflanzen einziehen und bis zum Herbst die Hälfte wieder verschwunden ist.
Geht das nicht anders? Ja.
Natürlich könnte man jetzt Erde austauschen, Steine aufnehmen, ständig nachpflanzen, gießen und hoffen, dass es diesmal funktioniert. Muss man aber nicht.
Und wie es anders geht, beim nächsten Mal.
Noch ein Tipp: weil jetzt Ferienzeit ist und alls euch oder euren Kindern und Enkeln irgendwann die Ideen ausgehen, oder aus Ferien Ferienlangeweile zu werden droht. In meinem großen DIY-E-Book „Natürlich kreativ – 50 Ideen mit Naturmaterialien für alle Jahreszeiten“ findet ihr auf 150 Seiten jede Menge Anregungen zum Basteln, Spielen, Schenken und Staunen – mit Blättern, Blüten, Steinen, Erde, Wind und allem, was die Natur gerade bereithält. Nachhaltig, unkompliziert und ohne große Materialeinkäufe.
Und: Bis Ende August bekommt ihr das E-Book statt für 19 Euro für 15 Euro.
Bis nächste Woche,
Sigrid |
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