Warum im Wildnisgarten Spielzeug wächst. Warum ein Wildnisgarten der beste Kindergarten der Welt sein kann; und warum das Buch „Enkeltauglich Gärtnern“ nicht extra für Großeltern gedacht ist. |
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Buch des Monats – und mal wieder ein kleiner Fail
Diesen Monat ist „Enkeltauglich gärtnern“ mein Buch des Monats. Und auch zu diesem Buch gibt es eine kleine Geschichte, oder ein "Fail". Und zwar: der Titel.
Eigentlich sollte das Buch „Nachhaltig gärtnern“ heißen. Aber das klang dem Verlag zu trocken und irgendwie auch zu abgenutzt. Nachhaltig ist ja inzwischen fast alles: Man lernt nachhaltig Vokabeln, putzt nachhaltig das Bad und hält Dinge nachhaltig auf Wiedervorlage.
Also haben wir uns für „Enkeltauglich“ entschieden.
Gemeint war damit: So zu handeln, dass auch unsere Kinder und Enkel noch gut auf dieser Erde leben können.
Das Problem: Viele Großeltern kaufen das Buch, weil sie denken, es gehe ums Gärtnern mit Enkeln. Und viele Menschen, die eigentlich einen verständlichen Einstieg ins naturnahe, klimafeste und nachhaltige Gärtnern suchen, kaufen es gerade deshalb nicht.
Dabei geht es genau darum.
Um Torf und Dünger. Um Artenvielfalt und Klimawandel. Um Lichtverschmutzung, Plastik im Garten, Wasser, Kompost, Wildbienen, Gartenmöbel, Second Hand, Selbstversorgung, ressourcenschonend Feiern im Garten und vieles mehr.
Damit ihr ungefähr wisst, was euch erwartet, hier einmal das Inhaltsverzeichnis: |
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Ein bisschen habe ich dieses Buch übrigens für mich selbst geschrieben. Für mich, wie ich vor zwanzig Jahren gerne eins gehabt hätte - als ich meinen ersten richtigen eigenen Garten hatte. Ich wusste damals zwar theoretisch eine ganze Menge. Ich habe Geoökologie studiert, Moorzerstörung untersucht, Diplomarbeit über den Boden geschrieben und wusste natürlich, dass Kompost der beste Dünger ist. Aber wie man ihn eigentlich macht? Ich konnte Blüten mit dem Skalpell auseinandernehmen, wusste aber nicht, wann man Rosen schneidet oder ob das überhaupt nötig ist. Fachwissen ja, praktischer Überblick nein.
Deshalb kurz gesagt: Enkeltauglich Gärtnern ist ein verständlicher Einstieg für alle, die ihren Garten Schritt für Schritt naturnäher, einfacher und artenreicher machen möchten.
Weil hier unter euch ja schon viele Wildnis-Gärtnern Profis mitlesen: Das Buch ist ideal als Geschenk, für alle die ihr "anstecken" wollt. |
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Als kleine Leseprobe hier ein Auszug aus dem Vorwort. Da habe ich auch noch mal erklärt, warum das Buch ausgerechnet „Enkeltauglich gärtnern“ heißt:
"So zu handeln, dass nichts, was Sie tun, die Wahrscheinlichkeit verringert, dass auch unsere Kinder und unsere Enkel es noch tun können werden. „Nichts“ ist dabei nicht absolut zu sehen, sondern: nach bestem Wissen und Gewissen. Wissen gibt’s überall und eben auch in diesem Buch. Und das mit dem Gewissen geht viel einfacher, wenn man sich nicht die abstrakte Nachhaltigkeit vorstellt, sondern eine konkrete Person: die Enkel.
Auch wenn Sie keine haben oder haben werden. Jeder von uns war mal ein Kind und damit auch ein Enkelkind.
Denn es geht nicht nur ums enkeltauglich Gärtnern, sondern auch ums enkeltauglich Gärtnern.
Gärten sind besondere Orte, ein Zwischending zwischen Wohnhaus und Wildnis und ein Garten ist der beste aller Orte, um ökologisch zu handeln. Im Garten sind alle Zusammenhänge sofort klar, all das was wir tun hat unmittelbare Auswirkungen auf unser grünes Wohnzimmer. Das ist ja nicht nur unser Wohnzimmer, sondern auch der Lebensraum vieler andere Arten, und das trotz Rasenmäher, Zaun, und Besitzurkunden. Ein Stück Natur, das wir vom Planeten nur geliehen haben. Und alles, was wir tun, hat Auswirkungen auf dieses Stück Natur. Ökologisches Wissen mit enkeltauglichem Handeln in Einklang zu bringen ist oft nicht so einfach: Raubbau an der Natur und versklavte Menschen für die Rohstoffgewinnung dort heißt schöne Gartenmöbel aus Tropenholz – ist nicht so einfach, selbst wenn man will und es nicht wegschiebt in Gedanken. Fälle ich in meinem Garten einen Baum, oder muss ihn fällen – und ich habe nur einen richtigen Baum, einen alten Apfelbaum – dann sind Vögel in Wohnungsnot, es fehlen die Blüten im Frühjahr, die Früchte im Herbst, der Schatten im Sommer, der Platz für die Schaukel und um im Winter das Vogelfutter dran zu hängen. Es dauerte Jahre bis Jahrzehnte, bis einer ebenbürtig nachgewachsen ist. Im Garten sehen Sie die Auswirkungen unmittelbar und sofort.
Das Schöne: Sie können auch unmittelbar und sofort anfangen, etwas gut und besser und richtig zu machen. Sie können auf jedem noch so kleinen Stückchen Natur anfangen, selbst im kleinsten Garten oder im Hinterhof kann ein Stück Zaun zur Hecke werden, der Rasen zur Blumenwiese, passt ein Haufen Laub in eine Ecke oder ein Vogelhäuschen an die Wand; und auch auf dem Balkon geht naturnahes Gärtnern. Und nicht nur Ihr Umfeld wird sich verändern, sondern Sie selbst auch, zum Guten, Sich mit den Pflanzen und Tieren zu beschäftigen und sich mit ihnen verbunden zu fühlen, macht lebendig, glücklich und zufrieden und gibt Energie. Mit jeder guten Gartentat entstehen so weitere Ideen, um die Welt besser zu machen." |
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"Enkeltauglich Gärtnern" gibt es überall, wo es Bücher gibt – natürlich auch in meinem kleinen Onlineshop. Wenn ihr dort bestellt, schreibe ich euch auf Wunsch gerne eine persönliche Widmung hinein. Schreibt einfach beim Bestellen ins Feld „Notizen“, für wen das Buch sein soll oder was ich hineinschreiben darf. |
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Und: es ist nicht so, dass Kinder und Enkel in „Enkeltauglich gärtnern“ gar nicht vorkommen. Quer durchs Buch ist das immer wieder Thema und es gibt ein eigenes ganzes Kapitel über Kinder und Gärten. Eigentlich gehört das sogar zu meinen Lieblingsthemen. Denn wenn Kinder einen (wilden) Garten haben, brauchen sie oft viel weniger Spielzeug, als wir Erwachsenen denken. Und das gibt es heute als Wildnistipp der Woche, direkt aus dem Buch. |
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Wildnistipp der Woche: Ein Wildnisgarten ist der beste Kindergarten der Welt.
Kinder sind oft der Grund, dass wir einen Garten haben: Damit sie draußen spielen können und glücklich sind. Nach der Sandkastenmuschel für die ganz Kleinen kommt ein Spielhäuschen, dann ein Schaukelgestell mit Rutsche, später ein Trampolin. Aller Erfahrung nach – das zeigen auch Studien – spielen die Kleinen mit den Geräten oft nur wenige Minuten, dann ist es laaangweilig.
Was Kinder wirklich wollen und brauchen, sind vielseitig einsetzbare, fantasiefördernde Materialien und Möglichkeiten. Kinder wollen gestalten – und nicht von anderen gestaltete Sachen benutzen. Mit den Händen im Matsch rühren, sich Rollenspiele ausdenken, Geheimverstecke in der Brombeerhecke , im Gras liegen und Wolken beobachten, Marienkäfer über die Hand krabbeln lassen, Schmetterlingen nachlaufen ...
Dafür ist ein Wildnisgarten ideal. Denn hier gibt es viel zu entdecken, wenig kaputt zu machen – und alles Mögliche, das direkt zum Mitmachen einlädt: Blumen, mit denen man basteln kann und die Tiere anlocken. Pflanzen, die man essen kann. Oder die man einfach gerne anfasst, weil sie weich sind, riechen oder duften. |
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Hier kommt eine Liste an Lieblings-Spielzeugpflanzen. Nicht vollständig, aber alphabetisch sortiert. |
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• Beinwell – Rosa Glöckchenblüten zum Beobachten, Hummeln schauen fast immer vorbei.
• Borretsch – Produziert den ganzen Sommer blaue Sternchenblüten zum Pflücken und Sandkuchen-Dekorieren.
• Frauenmantel – Die Blätter sind weich und auf ihnen sammeln sich morgens glitzernde Tautropfen wie kleine Perlen.
• Gänseblümchen – "Zum Kränzeflechten, aufs Brot legen und weil fast jedes Kind sie von selbst pflückt."
• Gräser – Hasenschwanzgras mit seinen weichen Ährenpuscheln, Zittergras oder Perlgras laden zum Fühlen, Wedeln und Sammeln ein.
• Große Sterndolde – Wunderschöne Blumen für Kindersträuße und später auch zum Trocknen.
• Jungfer im Grünen – Blüten, dekorative Samenkapseln und später spannendes Bastelmaterial.
• Kapuzinerkresse – Große Samen für kleine Kinderhände und schnelle Erfolgserlebnisse beim Säen.
• Klettenlabkraut – Das Grün wird zu Kränzen, die kleinen Früchte kleben wunderbar an Kleidung und werden zu Schmuck; und die Früchte von der Großen Klette lassen sich wie Playmais verwenden.
• Kräuter – Zitronenmelisse, Minzen, Lavendel, Rosmarin oder Salbei können und sollen gerieben, gerochen und probiert werden; und nehmen das Rupfen und Zupfen nicht besonders übel.
• Lampionblume – Die filigranen Fruchthüllen werden im Herbst zu kleinen Kunstwerken für Ketten, Kränze und Dekorationen.
• Löwenzahn – Erst Blüten, später Pusteblumen – kaum eine Pflanze lädt so sehr zum Spielen ein; und mit dem Milchsaft kann man sich Blüten-Tattoos kleben. |
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• Mohn – Blüten zum Staunen, Samenkapseln zum Klappern und Samen zum Ausstreuen, und getrocknet als tolles Bastelmaterial
• Mondtaler (Silberblatt) – Lila Blüten für Schmetterlinge, silbrige Schoten zum Basteln.
• Ringelblume – Große Samen, schnelles Keimen und viele Blüten – perfekt für kleine Gärtner.
• Schnittlauch und -blüten – Der Lauch ist wie ein Strohhalm und kann als natürliche Schnur verwendet werden; die Blüten ergeben schöne Sträuße und sind essbar.
• Springkraut – gibt’s auch in anderen und artenvielfaltsfreundlichen Ausführungen als das Drüsige Springkraut, oft kleiner, aber die Samenkapseln sind kleine Katapulte und sorgen bei jedem Kind für Begeisterung.
• Walderdbeeren – Fast den ganzen Sommer über kleine Früchte zum Naschen, wie ein Snack-Automat.
• Wollziest – Das Pflanzenkaninchen im Garten. Die flauschigen Blätter muss man einfach streicheln.
• Blumenuhr: wenn am Sandkastenrand Nachtkerzen wachsen, dann zeigen ihre frischen Blüten: Jetzt wird aufgeräumt – und dann geht's zum Abendessen ins Haus
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Falls euch das interessiert und gefällt, dann habe ich noch zwei Buchtipps für euch.
Einmal „Wildkräuter & Naturabenteuer“: ein kleines Büchlein, aber voll ist mit noch mehr Ideen zum Entdecken, Spielen, Basteln, Sammeln und Erleben – draußen, direkt vor der Haustür. Und wer gleich loslegen möchte: In meinem EBooklet "DIY natürlich-kreativ" findet ihr jede Menge Bastelideen: Mit allem, was draußen herumliegt: Blätter, Blüten, Steine, Erde, Äste und ganz viel Fantasie.
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Ein Wildnisgarten ist der beste Kindergarten der Welt. Das kann man nicht oft genug sagen und manchmal muss man genau das einfach dazuschreiben.
Denn was für Kinder das größte Spielparadies ist, sieht für andere erst einmal „ein bisschen wild“ aus. Genau dafür gibt es die Wildnis-Zertifizierung. Das Auszeichungs-Schild zeigt: Dieser Garten ist nicht zufällig so geworden. Sondern mit Absicht ein Lebensraum – für Schmetterlinge, Igel, Wildbienen und eben auch für Kinder. Und zwar nicht aus Zeitmangel. Denn den hat man plötzlich gar nicht mehr so, wenn die Kinder stundenlang beschäftigt sind und man ihre Langeweile nicht mehr wegmoderieren muss.
Wenn ihr euren Garten ebenfalls zertifizieren lassen möchtet, findet ihr auf der Infoseite alle Informationen. Dort könnt ihr euch alles in Ruhe anschauen, einen unverbindlichen Vorab-Check machen, ob euer Garten schon wild genug ist, und die Wildnis-Zertifizierung direkt buchen – natürlich auch als Geschenkgutschein. |
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Ein Wildnisgarten ist der beste Kindergarten der Welt. Und mit dem Wildnis-Schild sehen es auch alle anderen. |
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Zum Schluss noch ein wichtiges Thema: Gift und Sicherheit im Wildnis-Kindergarten.
Klar, beim Spielen im Garten sollten Kindern in Sicherheit sein. Alles sollte so gestaltet sein, dass sie sich nie ernsthaft verletzen oder in Gefahr bringen. Das heißt für den Wildnisgarten: Wasserstellen kindersicher abdecken oder einzäunen. Je kleiner das Kind, desto gefährlicher sind auch kleine Wasserstellen. Unter Kletterbäumen und wo immer es hoch hinaus geht, wird weicher Untergrund, also Gras, Sand, Mulch, gebraucht. Es darf unter ihnen keine harten Kanten oder herausstehende Wurzeln geben. Man landet dann immer noch nicht wirklich sanft, aber schwere Verletzungen werden vermieden. Nie mit Fahrradhelm spielen und toben und klettern lassen. Kinder unter vier Jahre sollte man immer im Blick haben – aber nicht gleich eingreifen, verbieten und vermeiden. Stattdessen kontrolliert den Umgang üben, mit allem, was man lernen muss: Ob das nun das Balancieren auf der Gartenmauer oder das Hantieren mit Schnitzmesser und Feuer ist.
Ein wichtiges Thema im Garten sind giftige Pflanzen: Viele sind nicht gleich tödlich, aber doch unverträglich. Kinder können nach und nach lernen, dass man nicht alles anfassen und in den Mund nehmen sollte, weil es brennt, piekst oder Bauchschmerzen verursacht wie Brennnesseln oder rohe Holunderbeeren. Pflanzen, die schon in kleinen Mengen hochgefährlich sind oder sich leicht verwechseln lassen wie Eisenhut, Seidelbast oder verschiedene Schierlingsarten würde ich aber draußen halten.
Das Thema ist allerdings zu wichtig für ein paar Sätze am Ende eines ohnehin schon langen Newsletters.
Deshalb mache ich dazu demnächst einen eigenen Newsletter: wie ein Wildnisgarten gleichzeitig artenreich und kindersicher sein kann.
Für heute soll's das gewesen sein – es war schon wieder deutlich mehr, als ich eigentlich schreiben wollte.
Sigrid |
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