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Warum Bienen, Hummeln und Schmetterlinge keine Versandware sein sollten und warum der Trend zum Dritt-Kompost geht. |
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???? Bienen, Hummeln und Schmetterlinge mit der Post? Besser nicht.
Vielleicht bekommt ihr sie auch gerade überall angezeigt: Werbung für Mauerbienen, Zuchthummeln, Schmetterlinge oder auch für Marienkäferlarven oder andere „Nützlinge". Zum Bestellen. Geliefert dann per Post.
Häufige Frage: ist das gut und sinnvoll? Die kurze Antwort ist NEIN.
Ich werde dafür noch mal einen ausführlichen Blog-Artikel machen. Wollte ich schon, habe ich aber nicht geschafft. Wir hatten Zeugnisferien - und schon wieder Schnee. Auch wenn ich lieber Frühling will, können der Hund und ich uns die Schneespaziergänge nicht entgehen lassen.
Warum "NEIN"? Weil das Verschicken von gezüchteten Insekten aus ökologischer, naturschutzfachlicher und auch tierschutzrechtlicher Sicht problematisch ist.
Wenn Wildbienen-Kokons oder andere Insekten in Massen gezüchtet, überregional gehandelt und ausgesetzt werden, kann das lokale Populationen genetisch beeinflussen, zusätzliche Konkurrenz um Nahrung und Nistplätze schaffen, Parasiten und Krankheiten verbreiten.
Bei den Mauerbienen ist es zum Beispiel so: käuflich sind meist Kokons der Roten Mauerbiene oder der Gehörnten Mauerbiene. Von den vielen Wildbienen bei uns sind die sehr ungefährdet und alltagstauglich. Sie nisten fast überall, in Stängeln, Ritzen, Reetdächern, sogar in Türschlössern; und in jeder Nisthilfe, egal wie schlecht oder gut gemacht. Auch beim Fressen sind die beiden Arten kein bisschen zimperlich. Während andere Arten nur den Pollen einer ganz speziellen Pflanze vertragen, futtern Mauerbienen einfach alles. Im Garten am Blumenbüffet ist es das so, als wenn man sich was Veganes oder Laktosefreies zum Grillen mitbringt – und das in einem unbesehenen Augenblick von einem Alles-Esser weggesnackt wird. Am Ende bleibt nichts übrig für die darauf angewiesen sind.
Auch Schmetterlinge oder andere „anschauliche“ Arten gehören in die freie Natur – nicht in Versandkartons, damit man dann zu Hause live die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling beobachten kann.
Der Verkauf von Insekten ist oft eher ein Geschäftsmodell als ein Beitrag zum Naturschutz. Echte Artenvielfalt kann man nicht bestellen – nur ermöglichen. |
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???? Was stattdessen wirklich hilft
Lebensräume schaffen. Geduld haben. Vielfalt zulassen.
Wildbienenfreundlich gärtnern bringt nicht nur Mauerbienen, sondern viele verschiedene Wildbienen-Arten und Schmetterlinge in euren Garten oder auf den Balkon. Pflanzen wie Brennnessel, Kapuzinerkresse, Löwenzahn, Disteln oder Fenchel sind hervorragende Nahrungsquellen für Schmetterlinge wie Tagpfauenauge, Distelfalter oder Schwalbenschwanz – und mit etwas Geduld könnt ihr sie dort auch beobachten. |
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➡️ Was ist mit Nützlingen gegen Blattläuse? Abwarten. Es dauert nur wenige Tage und schon sind die ersten Blattlausfresser von alleine da, Marienkäfer, Schwebfliegen, Florfliegen – auch auf dem Balkon. Den Pflanzen passiert dabei nichts, im Gegenteil: ein funktionierendes Gleichgewicht entsteht. |
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➡️ Regenwürmer und andere Bodenorganismen aus dem Garten oder von einem kompostierenden Freund bringen genauso Nährstoff- und Strukturleben in den Boden, ohne Ökosysteme durcheinanderzubringen, wie es der Kauf von gezüchteten Tieren tun kann. |
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Und damit sind wir beim eigentlichen Thema dieser Ausgabe: Kompost. |
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???? Wildes Wohnen in der Resterampe
Ein Komposthaufen ist kein Abfallhaufen und auch keine Düngergoldfabrik. Er ist für viele Tiere eine Wohngegend wie im Schlaraffenland. Hier leben nicht nur alle Bodenbewohner gerne, wie Regenwürmer, Springschwänze, Rädertierchen, Algen und diverse Mikroben, die für das Kompostieren zuständig sind. Auch Blindschleichen und Ringelnattern, Schnecken mit und ohne Haus, Nashornkäferlarven leben dort; und so manches kleine Säugetier wie Spitzmäuse oder Igel.
Hier finden sie in den Resten gutes Fressen. Hier ist es muckelig warm, so dass Eidechsenmamas ihre Eier vom Kompost ausbrüten lassen und Spitzmäuse den Winter verbringen. Auch gegenseitig fressen sich die Tiere: die Vögel die Regenwürmer und die Käfer, die Käfer die Schnecken, die Igel die Käfer. Da viele unserer Garten-Wildtiere an Futtermangel und Wohnungsnot leiden, ist es eine gute Idee, ihnen den Komposthaufen auch zur Verfügung zu stellen. Vor allem im Winter. |
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Deshalb ist das häufig empfohlene „Kompost umsetzen im Winter“ aus Wildnis-Sicht keine gute Idee. Jede größere Arbeit ist wie eine Abrißbirne.
Der ideale Zeitpunkt dafür ist: NIE. Aber im Winter schon mal gar nicht, wenn dann ab April. Und immer sehr vorsichtig und idealerweise mit einem zweiten Haufen "in der Hinterhand", in den ihr dann gefundene Tierchen umsetzen könnt.
Ganz ausführlich - und auch ob und wie Komposthaufen auf dem Balkon funktionieren - habe ich in einem Beitrag im Blog zusammengestellt: |
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???? Wildnis-Tipp der Woche
Komposthaufen als Lebensraum
Ein Komposthaufen muss nicht perfekt geplant sein, damit eure Gartentiere ihn lieben. Ihr müsst noch nicht mal Kompost nutzen wollen, und könnt trotzdem einen haben.
Ein lockerer Haufen aus Gartenmaterial, darunter ein paar Steine oder dicke Holzstücke, reicht oft schon. So entstehen kleine Kammern und Übergänge – genau das, was viele Tiere suchen. Und wenn der Kompost irgendwann doch „genutzt“ werden soll, muss er nicht umgesetzt werden: Er lässt sich auch einfach bepflanzen, mit nährstoffhungrigen Pflanzen wie Kürbis, Zucchini oder Sonnenblumen. Dann darf der Haufen bleiben, wie und wo er ist. |
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Wenn ihr tiefer einsteigen wollt, wie ihr im Garten "Haufenweise Lebensräume" schafft, fast nur mit Gartenabfällen, dann kann ich euch mein Buch "Haufenweise Lebensräume – Ein Lob der Unordnung im Garten" empfehlen.
Nicht nur im Kompost gibt es haufenweise Lebensräume – auch Laub-, Reisig- und Steinhaufen stecken voller Leben. Das Buch zeigt, wie sich aus Gartenresten wertvolle Rückzugsorte für Insekten, Vögel, Igel und Eidechsen schaffen lassen. Mit vielen Tipps, Tierporträts und Ideen für große wie kleine Gärten.

Alle meine Bücher gibt es überall, wo es Bücher gibt und auch in meinem kleinen Online-Shop. Dann gerne mit Widmung, wenn ihr mögt. |
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???? NICHT-Gartenarbeiten sind die besten Gartenarbeiten.
Das waren jetzt viele "Nicht-To-Dos" :-) und so geht es eigentlich das ganze Jahr weiter. Viele von euch kennen die langen Listen, die das Gartenjahr angeblich bereithält. Doch vieles davon ist heute weder nötig noch hilfreich. Wer gelassener gärtnern will und mehr Artenvielfalt ermöglichen möchte, erreicht das oft, indem er bewusst weniger tut.

Den Jahreskalender der NICHT-Gartenarbeiten gibt es ausführlich im Blog – und auch als Online-Vortrag mit EBook zum Ausdrucken. |
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???? Und wenn ihr doch etwas machen wollt? Macht Pläne. Zum Beispiel für ein Regenspeicherbeet.
Ich habe heute einen Post über mein Regenspeicherbeet vorbereitet für Instagram – und gemerkt, wie gut es tut, jetzt schon vom Frühling zu träumen. Ein Regenspeicherbeet ist ausdrücklich kein Teich, sondern eine sanfte Mulde im Garten, die Regen aufnimmt, zwischenspeichert und langsam wieder an den Boden abgibt. So entsteht ein wechselfeuchter Bereich, der Starkregen abpuffert und Trockenphasen überbrückt – wie eine kleine natürliche Klimaanlage. Der Garten bleibt länger grün, erholt sich schneller und braucht weniger Gießwasser. Gleichzeitig profitieren die Gartentiere: Vögel finden feuchten Lehm für den Nestbau, Wasserstellen zum Trinken und Baden – und reichlich Insekten als Futter für ihren Nachwuchs. Und das Beste: Ihr könnt jetzt schon etwas tun. Planen, Pflanzlisten machen, Material organisieren, euch ein Wochenende blocken.
Und für kleine Gärten oder Balkone ist vielleicht ein Sumpfbeet oder ein Miniteich das Richtige? Wasser geht immer.
Wie genau so ein Regenbeet oder ein Miniteich angelegt wird, Schritt für Schritt, könnt ihr euch in meinem EBooklet "Anleitung für Miniteich, Regenbeet & Co" ganz genau erklären lassen. Das gibts in meinem kleinen Onlineshop zum Sofort-Download gegen eine kleine Gebühr.
Und einen Blog-Artikel passend dazu gibts auch. Da könnt ihr euch erst mal einlesen, ob das vielleicht genau das richtige Projekt ist für euch. |
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????Und sonst so?
... gibt es das Workbook für die Wildnis-Zertifizierung jetzt interaktiv. Das heißt, ihr könnt die Zertifzierungsunterlagen direkt im Formular ausfüllen und mir gleich online wieder zurückschicken. Ihr müsst es nicht ausdrucken und wieder einscannen oder per Post schicken. Auch wenn ich mich über Post nach wie vor freue.
... werde ich die "Wildnis-Seite" relaunchen, aber da dauert noch ein bisschen, bis alles fertig ist. Seid gespannt. |
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Und zum Schluss: Blätterkonfetti. Für Karneval, Fasching oder einfach so. Laub statt Plastik – hübsch, kostenlos und danach wieder Natur.

Noch viel mehr Ideen für ökologisch-preiswertes DIY in meinem EBook: DIY Natürlich Kreativ.
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???? Ganz zum Schluss
Für nächste Woche habe ich schon die nächsten NICHT-Gartenarbeiten auf dem Zettel für euch: Laub liegen lassen, Stauden stehen lassen, Beete nicht „hübsch machen“ - quasi das Gegenteil von all dem, was gerade überall gefordert wird. Jetzt aber loslegen mit dem Frühjahrsputz, als Vorbeugung gegen Wühlmäuse, gegen Schnecken und überhaupt. Spoiler: Gegen Wühlmäuse oder Schnecken helfen andere Dinge besser als Aufräumen. Mehr dazu nächste Woche und das nächste "Buch des Monats" stelle ich euch auch vor.
Sigrid |
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