Das Entscheidende passiert hinterher:
Am besten schneidet ihr danach nicht alles auf einmal wieder, sondern lasst es noch länger stehen, mäht abschnittsweise, stellenweise, tageweise. Nur so viel wie nötig, so wenig wir möglich und nie alles auf einmal. Aber auch wenn ihr im Juni ganz klassisch weitermacht, habt ihr mehr getan als viele andere.
Was ich sehr häufig gefragt werde: Wird dann aus meinem Rasen automatisch eine Blumenwiese?
Nein. Eine echte Blumenwiese ist eine komplexe Lebensgemeinschaft. Sie besteht nicht nur aus dem richtigen Saatgut, sondern aus Boden, Pflege, Standort, Zeit und all den Tieren, die mitwirken. Ich weiß, viele träumen von einer richtigen wilden Blumenwiese. So wie sie früher überall ganz von selbst gewachsen ist. Sie wächst aber nicht einfach so, sondern im Zusammenspiel mit Standortbedingungen, großen Grasfressern und kleinen Insekten, die wie Nadel und Faden alles zusammenhalten und ohne die eine Wiese nicht funktioniert.
Einen typischen Rasen in eine Wiese zu verwandeln, klappt deshalb oft nicht gut. Der Gartenboden ist gesättigt mit Dünger, das mögen wilde Gräser, Blumen und Kräuter überhaupt nicht gern. Das richtige Saatgut zu bekommen, ist aufwändig und teuer, die preiswerten Mischungen im Gartenmarkt bestehen überwiegend aus einjährigen, schnell auflaufenden Ackerbegleitblumen, die sich zwar zum Teil selbst wieder aussäen, aber nicht wieder keimen, weil sie dafür auf offene Flächen angewiesen sind. Samen für die eigentlichen Wiesenblumen, die auch in der dann dichten Pflanzendecke und Grasnarbe neu keimen, sind in diesen Mischungen in der Regel nicht enthalten oder die Samen in den Tütchen sind aus ganz Europa zusammengewürfelt.
Wenn ihr wirklich eine richtige wilde Blumenwiese haben wollt, dann braucht ihr mehr als den mähfreien Mai. Dann braucht ihr Zeit, Geld und Geduld.
Was immer klappt: ein Wildrasen
Ein Wildrasen ist das perfekte Zwischending und eigentlich müsst ihr kaum etwas machen dafür.
Sondern eigentlich nur weniger.
1) Rasen nicht mehr düngen. Denn Dünger mögen nur die paar Rasengräser, er lässt sie besonders gut wachsen. Wenn du auf diese exklusive Förderung verzichtest, zeigen sich schon bald die ersten Wildkräuter als bunte Tupfen: Gänseblümchen, Ehrenpreis oder Klee, Hahnenfuß oder Taubnesseln.
2) Nicht mehr (so oft) mähen, nicht mehr alles am Stück auf einmal und auch nicht so niedrig mähen wie sonst, mindestens 3 cm Wuchshöhe sollte den Pflanzen bleiben. Vorteil für den Rasen: Je länger die Halme, desto besser hält er in trockenen Zeiten durch, weil sich Tau in den Halmen sammelt und er sich so selber gießt. Dem Bodenleben geht’s gut, weil es ein schönes Dach über dem Kopf hat, und so haben all die Bodenlebewesen viel Power, den Boden gut zu durchlüften und zu lockern. Starkregen staut sich nicht, sondern versickert entlang der Wurzelwege und Grabgänge.
3) Kein „Unkraut“ jäten oder vergiften, vor allem Moos nicht mehr entfernen. Es ist wunderbar weich, darauf zu laufen und die Moospolster wirken ausgleichend auf Wasserhaushalt; wie kleine Schwämme.
4) Rasen nicht mehr bewässern. Vertrocknete Stellen sind – wie Maulwurfshaufen oder Ameisenhügelchen – neue Möglichkeiten für neue Pflanzen. Schneller geht’s, wenn ihr die Lücken mit Wildblumensamen flickt.
Alle Fragen, alle Antworten zum Mähfreien Mai habe ich euch in einem EBooklet zusammengestellt. Wie immer zum Download gegen eine kleine Gebühr.
Geblümtes Grün – vom Mähfreien Mai zur wilden Wiese.
Mit vielen Tipps zum einfachen Wildnisgärtnern, schönen Fotos und zusätzlich: bekommt ihr Tabellen mit passenden Wildwiesen-Blumen, für verschiedenen Standorte und Jahreszeiten.

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