Warum Schnecken-Alarm im Garten auch durch zu viel Licht ausgelöst wird, was Glühwürmchen wirklich wollen und wieso es ein neues Wildnis-Schild gibt. |
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???? Die neuen Wildnis-Schilder sind da!
Vor ziemlich genau zwei Jahren ist die Wildnis-Zertifizierung entstanden, aus einem Crowdfunding. Und mein Wildnisgärtnern wächst und gedeiht.
Alles dazu nachlesen könnt ihr in der Wildnis-Ecke auf meiner Website. Hier wird gerade alles neu gemacht, deswegen sieht sie vielleicht jeden Tag ein bisschen anders aus.
Was jetzt schon neu ist: es gibt neue Auszeichnungs-Schilder.
Die bisherigen Schilder bestehen aus Acryl. Das war ursprünglich eine bewusste Entscheidung, weil sie leicht, vergleichsweise ressourcenschonend und gut und preiswert verschickbar sind. Ich wollte möglichst wenig Material einsetzen, den Preis und den ökologischen Fußabdruck klein halten.
Aber: Vielen fehlt trotzdem dieses Gefühl eines „richtigen“ Schildes. Außerdem verblassen die bisherigen Varianten mit der Zeit, vor allem wenn die Sonne drauf knallt. Deshalb gibt es ab jetzt ein neues Schild. Stabiler, farbechter, hochwertiger, schwerer und – leider auch teurer.
Bald.
Denn ich weiß, dass viele von euch sich die Zertifizierung für den Sommer vorgenommen haben. Wenn der Garten schön aussieht oder man Urlaub hat oder Zeit findet, Fotos zu machen; ich möchte niemandem unerwartet eine Preiserhöhung vor die Nase setzen.
Deshalb kostet die Zertifizierung bis zum Ende der kommenden Woche noch den alten Preis. Mit neuem Schild. Ab dann dann 69,00 Euro statt 54,00 Euro.
Und: es gibt kein Verfallsdatum für die Zertifizierung. Wer jetzt die Unterlagen bucht, hat alle Zeit der Welt, alles in Ruhe auszufüllen. |
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Noch zwei "Durchsagen", bevor wir die Nacht nicht mehr zum Tag machen, sondern wieder zur Nacht:
1) Alle, die schon eine Wildnis-Zertifizierung haben und ein altes Schild: Ich schicke euch in den nächsten Tagen eine Mail mit allem Infos zum Austausch gegen ein neues Schild.
2) Auch die Vogelhäuschen gibts gerade noch günstiger: zum Vorbestell-Preis. Nur noch dieses Wochenende. |
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Licht aus, Sternenhimmel an
Früher war die Nacht tiefschwarz und gleichzeitig durch Milliarden Sternenlichter erhellt. Heute ist die Nacht vielerorts nur noch eine milde Dämmerung, dauererhellt durch Straßenlaternen, Leuchtreklame, Gartenstrahler, LED-Ketten. Selbst auf dem Land gibt es immer seltener richtige Dunkelheit und das hat Folgen. Auch im Garten. So wie es Pflanzpläne gibt, gibt es auch Lichtkonzepte und die dazu passende Ausstattung im Baummarkt. Einfach zu handhabende Technik zu erschwinglichen Preisen, um hier einen Baum, dort einen Strauch in Szene zu setzen, die Wege und die Terrasse hell zu beleuchten.
Und das ist nicht so gut. Für uns Menschen, unseren Schlaf, unsere Psyche, unsere Gesundheit. Und für die Natur um uns herum.
Licht ist zwar nicht dreckig, aber wenn zu viel davon zur falschen Zeit leuchtet, führt es zu Lichtverschmutzung. Bereits vor 150 Jahren sollen englische Astronomen sich beklagt haben über die nächtliche Aufhellung der Städte, die ihnen den Blick auf die Sterne nahm. Heute wären sie wohl fassungslos.
Warum ist zuviel Licht so schlimm? Alles Leben auf der Erde hat sich in Milliarden Jahre mit dem immer gleich verlaufenden Rhythmus aus Licht und Dunkelheit entwickelt. Licht bedeutete Aktivität, Dunkelheit bedeutete Regeneration. Bis das elektrische Licht erfunden wurde – und es die richtige Nacht verdrängt hat. Licht steht für Fortschritt, Produktivität, Kontrolle,. Licht gibt uns ein Gefühl von Sicherheit, vor allem Frauen kennen das. Evolutiv gesehen durchaus sinnvoll für tagaktive Lebewesen wie den Menschen: wer sehen kann, kann Feinden ausweichen. Im Dunkeln bleibt man besser im Versteck und rührt sich nicht. Mit zunehmendem Kunstlicht habe sich dieses Prinzip verselbstständigt, weiter: Wir arbeiten länger, schlafen kürzer, und sind dank digitaler Endgeräte auch nachts kaum je wirklich „aus“. Der circadiane Rhythmus, unsere innere Uhr, gerät durch Dauerlicht aus dem Takt.
Es scheint, als hätte das Licht den Spieß umgedreht. Nicht wir haben die Kontrolle, weil wir Licht haben; das Licht kontrolliert uns. Die Konsequenzen sind Einschlafstörungen, chronischer Schlafmangel, innere Unruhe. Verschiedene Studien zeigen: Wer nachts künstlichem Licht ausgesetzt ist, hat ein erhöhtes Risiko für Depressionen, Angststörungen, Übergewicht, Diabetes und sogar bestimmte Krebserkrankungen. Denn Licht zur falschen Zeit bringt unsere Hormonproduktion durcheinander – insbesondere das Schlafhormon Melatonin. Unsere Körper wissen nicht mehr, wann Nacht ist. Und sie vergessen, wie man abschaltet. Und wir haben auch keinen Anlass, unseren Körper zur Ruhe zu schicken. Denn selbst wenn es draußen dunkel ist, können wir unser Umfeld mit künstlichem Licht hell werden lassen. Statt schlafen gibt’s genug zu tun.
... aber gehen wir zurück in den Garten und die Natur:
Pflanzen blühen zu früh, werfen ihr Laub zu spät ab. Nachtaktive Tiere verlieren ihre Orientierung, werden in ihrer Fortpflanzung gestört oder sterben sogar. Werden Ruinen und Kirchen angestrahlt, können dort keine Fledermäuse ihr Nachtleben leben. Frisch geschlüpfte Meeresschildkröten verlieren ihre Orientierung, die eigentlich der Mond und die Sterne waren. Das künstliche Licht spornt die Pflanzen zur Fotosynthese an, teils werden die Blätter so dick, dass sich keinen Schmetterlings-Raupe mehr durchbeißen kann. Blumen blühen zu früh oder produzieren Nektar und Duftstoffe dann, wenn Insekten nicht damit rechnen. Bäume werfen ihr Laub zu spät ab – weil sie denken es sei noch Sommer. Und wenn Strahler von unten in die Bäume leuchten oder ins Gebüsch, kann kein Vogel in Ruhe sein Nest bauen, geschweige denn brüten.
Zu viel Licht ist eine der Ursachen für das Insektensterben.
Glühwürmchen sind das Paradebeispiel. Eigentlich völlig unscheinbare braune Käfer werden in der Dämmerung der Sommermonate zu magischen Wesen. Die Glühwürmchen-Männer schwirren umher, auf der Suche nach Weibchen – die um die Wette leuchten. Die Männchen suchen gezielt nach Lichtpunkten in der Dunkelheit, dort, wo es sehr hell ist, fliegen sie nicht hin. Sitzen die Weibchen unter einer hellen Lampe, passiert gar nichts. Keine Hochzeit, keine Eier, keine neuen Glühwürmchen. |
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Und so könnt ihr das ändern:
Bestandsaufnahme machen: möglichst, wenn es dunkel ist. Dann erkennt ihr, wo Lampen oder dunkle Ecken sind. Eine Skizze des Gartens ist hilfreich, um kurze Notizen zu machen. Anschließend könnt ihr, wenn ihr ins Haus zurückgekehrt seid, die Details genauer einzeichnen. Spaziert durch den Garten und tragt in eurer Skizze ein, wo was wie leuchtet. Welches Leuchtmittel und welche Technik werden verwendet, wohin strahlt das Licht, in welcher Höhe hängt die Lampe und ist das Licht eher warm oder kalt?
Lichtbedarf überprüfen: Macht einmal alle Lampen aus, wenn das möglich ist. Geht eure täglichen Wege und schaut, wo tatsächlich Licht notwendig ist – zum Beispiel auf dem Weg zum Fahrradschuppen. Niemand soll stolpern, aber oft reichen Straßenlaternen oder Fassadenbeleuchtungen schon aus, um sich sicher zu orientieren.
Überflüssige Beleuchtung entfernen: Entscheidet anschließend, welche Lampen ihr wirklich braucht und welche nur dekorativen Zwecken dienen. Gerade von März bis Oktober, wenn Vögel brüten und nachtaktive Schmetterlinge, Glühwürmchen und Fledermäuse unterwegs sind, ist Lichtruhe besonders wichtig. Im Winter darf es ruhig etwas heller sein.
Vorhandene Beleuchtung entschärfen: Lampen, die bleiben sollen, könnt ihr abmildern. Verändert den Strahlungswinkel, damit das Licht nicht auf Bäume, Wiesen oder Teiche fällt, oder bringt die Lampen niedriger an. Kleine Leuchten auf Knöchelhöhe sorgen für Sicherheit und stören die Tierwelt deutlich weniger. Mehrere schwache Lampen sind außerdem besser als eine sehr helle.
Die richtigen Lampen wählen: Verwendet warmweiße Leuchtmittel und achtet darauf, dass Außenlampen geschlossen sind, damit keine Insekten hineingeraten und nicht mehr herausfinden.
Licht nur bei Bedarf einschalten: Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren sorgen dafür, dass Licht nur dann brennt, wenn es wirklich gebraucht wird – und niemand vergisst, es wieder auszuschalten.
Warmweiß statt kaltweiß: Je wärmer ein Licht, desto weniger Kelvin hat es und desto insektenfreundlicher ist es. Amber-Leuchtmittel liegen bei etwa 1700 bis 2200 Kelvin, Warmweiß bei 2700 bis 3300 Kelvin. Neutralweißes oder tageslichtweißes Licht ist dagegen deutlich ungünstiger für die Tierwelt.
Auch Solarlampen verursachen Lichtverschmutzung: Solarlampen sparen zwar Strom, sollten aber trotzdem sparsam eingesetzt werden. Auch sie tragen zur Lichtverschmutzung bei und verbrauchen in der Herstellung Ressourcen und Energie. Billige Modelle haben oft nur eine kurze Lebensdauer und verursachen zusätzlich Elektroschrott.
Wenn ihr die Beleuchtung nicht verändern könnt: Ist es nicht euer Garten oder könnt ihr die Lampen nicht austauschen, dann hängt Nistkästen oder Insektennisthilfen an dunklere Stellen. Mit Sträuchern und Stauden könnt ihr geschützte Schattenbereiche schaffen und Bodenleuchten teilweise überwachsen lassen.
Auch auf Balkon und Terrasse gilt: weniger ist mehr: Auch auf dem Balkon könnt ihr Licht sparsam einsetzen. Verzichtet möglichst auf dauerhaft leuchtende Lichterketten und Dekobeleuchtung und nutzt stattdessen warmweiße Leuchten nur dann, wenn ihr wirklich draußen sitzt. Schon ein kleiner, dunkler Rückzugsort auf dem Balkon hilft nachtaktiven Insekten und ist besser als nichts.
Mobile Lichtquellen statt Dauerbeleuchtung: Stellt einen Korb mit Taschenlampen, Laternen oder Stirnlampen an die Terrassentür, Haustür oder in die Garage. Wer abends noch einmal zur Mülltonne oder vom Sport nach Hause kommt, nimmt sich einfach eine Lampe mit und leuchtet den kurzen Weg selbst aus.
Mit der Stadtverwaltung ins Gespräch kommen: Stört euch eine besonders helle Straßenlaterne direkt vor dem Haus, lohnt sich eine Nachfrage bei der Stadt oder Gemeinde. Viele Kommunen stellen ihre Straßenbeleuchtung inzwischen auf warmweiße Leuchtmittel um, dimmen sie in den Nachtstunden oder schalten einzelne Laternen in wenig genutzten Bereichen zeitweise ab oder rüsten sie mit Bewegungsmeldern aus. Fragen kostet nichts – und manchmal lässt sich so nicht nur der eigene Garten, sondern gleich ein ganzes Stück Nachthimmel etwas dunkler machen. |
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Und was wollen die Glühwürmchen?
Damit sich Glühwürmchen wohlfühlen, brauchen sie noch ein bisschen mehr als nur Lichtruhe.
Dazu gibt es auf meinem Blog einen ausführlichen Beitrag zum Weiterlesen.
Ein Sprichwort sagt "Wo Glühwürmchen leuchten, herrscht ein guter Geist im Garten". Wenn die magischen Käfer gehochzeitet haben, stirbt das Liebespärchen , aber aus den Eiern schlüpfen schon bald die Larven. Bis daraus wieder Käfer werden, vergehen mehrere Jahre. Das Schöne daran: In dieser Zeit fressen die Glühwürmchen unglaublich viel, am allerliebsten Schnecken und Schneckeneier.
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Wildnistipp der Woche: Gut gepflanzt ist halb beleuchtet. |
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Nachts sind alle Farben Pflanzen grau, und die Blümelein sie schlafen. Ja, aber nicht alle, manche haben auch im Dunkeln ihre Qualitäten und richtig häßlich unansehnlich sind sie tagsüber natürlich auch nicht.
Wir gestressten modernen Menschen sind nicht die einzigen nachtaktiven Lebewesen. Auch jede Menge Insekten sind abends und nachts unterwegs und haben sich dort in ihren Nischen eingerichtet. Viele Blumen blühen deshalb oft hell – leuchten wie kleine Lichter – damit den suchenden Insekten die Navigation beim Landeanflug erleichtert wird. Weiß ist keine Farbe, das haben wir alle in der Schule gelernt, sondern ein Gemisch aus allen Einzelfarben – wie das Sonnenlicht. Weiße Blüten leuchten deshalb auch noch im fast Stockdunklen wie kleine Sterne. Von beinahe jeder eigentlich bunt-blühenden Pflanze gibt es mittlerweile weiße Züchtungen, wenn auch nicht im örtlichen Gartenmarkt, dann doch bei gut sortierten Versandgärtnereien. Akelei und Glockenblume, Storchschnabel oder Phlox. Am besten sind natürlich weiße Wildstauden, die leuchten nicht nur sondern sind auch noch artenvielfaltsfreundlich: zum Beispiel Margeriten, Schafgarbe, Lichtnelken, Weiße Taubnessel oder Mädesüß.
Auch Pflanzen mit hell-silbriges Laub sind abendtauglich. Es verstärkt das Restlicht, Blätter und Stängel leuchten wie magisch durch die graue Dämmerung; das ist zum Beispiel bei vielen mediterranen Kräutern so: Salbei, Lavendel, Thymian. Sie duften dann auch noch wunderbar. Beinahe mehr als am hellichten Tag – so kommt es einem manchmal vor. Das stimmt sogar. Erstens tritt unser Sehsinn im Dunkeln zurück, Hören und Riechen werden dafür intensiver. Auch Wollziest oder Wermut sind passende Pflanzen.
Und: es gibt Pflanzen, die erst dann aufblühen, wenn es Nacht wird, um mit ihrem extra Duft Insekten anzulocken, potentielle Bestäuber auf Nektarsuche anzulocken, zum Beispiel Nachtkerze, Seifenkraut, Nachtviole oder das Geißblatt.
Wenn ihr dazu noch Blüten in Blau habt, wie Natternkopf, Lein oder Glockenblumen, dann seid ihr auch noch gut für die blaue Stunde der Dämmerung ausgerüstet. Wenn das Licht kühler wird, beginnen blaue Blüten regelrecht zu leuchten. Dazu noch gelb und orange - Rainfarn, Färberkamille, Ringelblume oder Königskerze - um den Sundown und das warme Licht der untergehenden Sonne einzufangen. |
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???? Bis zum nächsten Mal
In diesem Sinne, genießt den Sommer im Garten und auf dem Balkon und ich drücke allen die Daumen, Glühwürmchen zu sehen / oder gesehen zu haben. Allerdings muss man seinen Biorhythmus ein bisschen anpassen und ich verpasse es deswegen oft, weil ich kein Nachtmensch bin.
Ich werde jetzt die ersten Wildnis-Zertifizierungen mit den neuen Schildern verschicken.
Bis nächste Woche.
Sigrid |
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